Judaistik

Lisa Sophie Gebhard

Davis Trietsch – Der vergessene Visionär

Zionistische Zukunftsentwürfe zwischen Deutschland, Palästina und den USA

89,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Festeinband
ISBN 978-3-16-161816-1
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Davis Trietsch war Anfang des 20. Jahrhunderts ein über den deutschsprachigen Raum hinaus bekannter Zionist, der wegweisende Ideen und Konzepte für den jüdischen Aufbau Palästinas formulierte. Wer war dieser streitbare Enthusiast, dessen Visionen Israel zum Teil bis heute prägen? Lisa Sophie Gebhard untersucht erstmals Trietschs Lebenswerk in einem größeren zeitgeschichtlichen Kontext und zeichnet so ein komplexes Bild seines vielseitigen Wirkens im transnationalen Raum.
Fragt man Menschen in Israel heute, ob sie den Zionisten Davis Trietsch kennen, erntet man fast immer ein Kopfschütteln. Trietsch blieb ein Platz im zionistischen Pantheon verwehrt, dabei war er seinerzeit ein über den deutschsprachigen Raum hinaus bekannter Frühzionist, dessen streitbares Naturell wiederholt für Aufsehen sorgte. Wer war dieser eigensinnige Wegbereiter für viele visionäre Formen im Zionismus, die Israel zum Teil bis heute prägen? Anders als in einer klassischen Biografie beleuchtet Lisa Sophie Gebhard in dieser Studie mehrere Lebensthemen in einem größeren zeitgeschichtlichen Kontext, wie etwa Trietschs ambitionierte Raumvorstellungen in Bezug auf Palästina sowie seine Pläne zur technischen Erschließung des Landes. Die Analyse US-amerikanischer Einflüsse auf den Frühzionismus in Form eines transatlantischen Wissenstransfers, für den Trietsch eine ebenso herausragende wie übersehene Rolle spielte, bildet einen besonderen Schwerpunkt. So entsteht ein lebendiges, vielverzweigtes Bild nicht nur von der Person Davis Trietsch, sondern auch des transnationalen Raums, aus dem heraus er und andere Zionisten agierten.
Inhaltsübersicht
1. Annäherungen an einen vergessenen Visionär

Davis Trietsch (1870–1935): Eine Einführung

1.1 Vom Wohnen in der Vertikalen
1.2 Ein pragmatischer Utopist
1.3 Ins Gelingen verliebt
1.4 Imaginations- und Referenzräume
1.5 Die Bedeutung der USA

2. »Die Zukunft des Orients« – Zionistische Zukunftsvisionen für den Nahen Osten
2.1 Jüdische Geflüchtete in New York: Eine prägende Begegnung
2.2 Die ,orientalische Lösung der Judenfrage'
2.3 Aufschwung durch Zentralität: Palästina, ein globaler Knotenpunkt
2.4 Jüdinnen und Juden als Kulturvermittelnde
2.5 Do ut des: Eine deutsch-jüdische Interessengemeinschaft
2.6 Strategische Allianzen: Deutschland und der aufsteigende Halbmond

3. »Greater Palestine« – Zionistische Raumkonzeptionen als Geisteskinder ihrer Zeit
3.1 Die Bestimmung der Grenzen: Wo liegt Palästina?
3.2 Davis Trietsch und sein Raumkonzept Greater Palestine
3.3 Zeitgenössische Schlagworte: Greater Britain und Greater Palestine
3.4 Das Zypern-Projekt
3.5 Stürmische Szenen auf dem Kongress: Die Kritik Theodor Herzls
3.6 Greater Palestine in der zionistischen Debatte

4. »Palästina und die Juden. Tatsachen und Ziffern« – Ein akribischer Autodidakt und die anerkannten Palästina-Experten
4.1 Exkurs: Die frühen Lebensjahre von Davis Trietsch
4.1.1 Herkunft und Erziehung
4.1.2 Ausbildung
4.2 Zionismus und Expertentum: Ein Selfmade-Zionist ohne Doktorhut
4.3 Ein Informationsbüro für Palästina
4.4 Wissensvermittlung durch auflagenstarke Handbücher

5. »Massenwanderung und Massensiedlung« – Forderungen nach einer großangelegten Einwanderung
5.1 »Dunam um Dunam, Ziege um Ziege«: Zionistische Maximalpositionen nach dem Ersten Weltkrieg
5.2 Die Auswahl der jüdischen Einwandernden
5.3 Intensiv statt extensiv: Debatten um eine maximale Bodennutzung
5.4 Die Industrie zur Realisierung der Einwanderung
5.5 Palästina als ein moderner Garten Eden: Gartenstädtische Industriedörfer

6. »Eine californische Colonisations-Methode« – Die transatlantischen Bezugspunkte zionistischer Siedlungsarbeit
6.1 Die USA durch die »Palästinabrille« sehen: Davis Trietsch und das Studium US-amerikanischer Innovationen
6.2 Ein Informationsbüro in New York
6.3 Auf der Suche nach dem ,amerikanischen Geist'
6.4 Der Einfluss kalifornischer Siedlungen und Achusot
6.5 Kalifornien als Modell: Zionistische Forschungsreisen in die USA

7. »Die Rettung der Juden im Aufbau Palästinas« – Ramot HaShavim: Das erste deutsche Eierdorf in Palästina
7.1 Von Kalifornien lernen: Davis Trietschs Studium moderner Geflügelfarmen
7.2 Einflüsse der US-amerikanischen Geflügelwirtschaft im Jischuv
7.3 Theorie und Praxis: Die Anfänge von Ramot HaShavim

8. Das Lebenswerk von Davis Trietsch – Ergebnisse und Perspektiven
8.1 Letzte Jahre in Palästina
8.2 Das Lebenswerk von Davis Trietsch in Israel
Personen

Lisa Sophie Gebhard Geboren 1988; Studium der Geschichts- und Kulturwissenschaften in Berlin, Jerusalem, Kiel und Mailand; 2021 Promotion (FU Berlin); seit 2021 Wissenschaftliche Volontärin am Deutschen Historischen Museum.

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